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Das gleißende Licht Kaliforniens

In der „Badischen Zeitung“ vom 19.09.2019

Herbert M. Hurka:

‹Den Zugang zur Farbe sucht Lydia Leigh Clarke über vertraute Gegenstände – eine Schüssel, einen Eimer, einen Krug. Diese Alltäglichkeit reflektiert auch der Titel "the rhythm of the day", unter dem sich in der Galerie Claeys die ausufernde Farbphantasie der aus Kalifornien stammenden Künstlerin offenbart. Wie der Krug auf "still life, red jar" so weit in die Abstraktion getrieben ist, dass seine Form sich angesichts der Energie des Rots nur noch erahnen lässt, wirft ein Licht auf den Malprozess. Wie die helleren Werte sich sukzessive aus einem dunklen Hintergrund nach vorn arbeiten, lässt sich gut erkennen an den zwei gelb aufleuchtenden Zitronen im Vordergrund. Derlei Kontraste schöpft die Künstlerin aus ihren Erinnerungen an das gleißende Licht Südkaliforniens. Als ein Hinweis darauf, dass Lichteindrücke sich auf der Netzhaut invers einscannen, wäre auf dem Bild "her antennas to heaven" die schwarze Silhouette eines Rindes zu deuten. Clarkes nuancenreiches Farbspektrum schuldet sich der Flexibilität der sowohl deckenden als auch lasierenden Gouache-Technik. Die Beimischung von Sand zu den ohnehin körnigen Pigmenten verstärkt die Stumpfheit der Oberflächen, um diese um einem Touch zur Haptik zu erweitern. Vorzuführen, dass der "blackforest" ein ganz anderes Licht hervor bringt als Kaliforniens Strände, geht Lydia Leigh Clarke bei ihrer Landschaftschaftsstudie ebenso leicht von der Hand wie bei ihren Stillleben. …›